Bleib ich zu Hause oder gehe ich arbeiten?

Ich mache selten bei Blogparaden mit. Das liegt daran dass ich nicht so toll bloggen kann wie viele andere deren Blogs ich gerne lese. Aber dieses Thema von Live ain´t over hat gerade einen sehr aktuellen Bezug für mich und daher bin ich gern dabei. Es geht um den Wiedereinstieg in den Job. Freuen wir uns, oder nicht? Wie organisieren wir diesen? Oder bleiben wir einfach ganz lange zu Hause?

Kommen wir also zu meiner Geschichte.

Was mir neulich passierte

Neulich, da hatte ich eine tolle Idee. Ich könnte doch mal wieder raus. Nach 10 Monaten mit dem Baby daheim, wäre es doch an der Zeit mal wieder was für mich zu tun. Meine Ansprüche waren gar nicht gross. 2-3 Stündchen shoppen im Einkaufszentrum um die Ecke. Mein Mann war da. Die zwei Jüngsten zu bespassen ist kein Problem für ihn A.so sollte es eigentlich ganz einfach sein. Es endete in einem Desaster.

Ich zog mich an, verabschiedete mich und ging los. Mein Mann hatte das Baby auf dem Arm unser Sohn klammerte an seinem Bein. Ich schloss die Tür, sah vor meinem inneren Auge schon in welche Geschäfte ich gehe. Stellte mir vor wie es wohl ist Klamotten anzuprobieren und nicht nur mit dem Baby im Tuch vor den Bauch zu halten. Paradiesisch! Dann ging die Tür auf. Herausgekannt kam brüllend mein zweijähriger. Halb angezogen und knallrot. Im Hintergrund weinte unser Babymädchen herzzereissend auf Papas Arm. Ich brachte den Sohn zurück ins Haus und verabschiedete mich nochmal mit Nachdruck. Manchmal muss man einfach gehen – in der Kita funktioniert das auch. Da ist er meist wieder froh sobald die Tür zu ist. Ich stieg also ins Auto und da fiel mir auf, dass ich meine Handtasche vergessen hatte. Sch…. ich muss zurück. Ich schloss die Tür auf. Beide Kinder brüllten – noch immer. Ich nahm meine Tasche und ging – noch einmal. Ich drehte mich um und mein Sohn stand schreiend und mit seinen kleinen Händchen an das Fenster hämmernd hinter der Tür. Ich gab auf. Und ging zurück.

Das Ende? Wir fuhren alle zusammen ins Einkaufscenter. Ich mit dem Baby im Tuch mein Mann mit dem Sohn an der Hand. Naja, gekauft habe ich trotzdem was – eine kleine Überraschung für die Kinder, was sonst?

Wie ich meine ersten drei Elternzeiten gestaltete

Was die Elternzeit und den Wiedereinstieg in den Beruf angeht habe ich verschiedene Modelle durch:

Kind eins: Ich war 3 Jahre zu Hause. Es war klar, dass wir in kurzem Abstand ein weiteres Kind wollten. Der Wiedereinstieg in den Job hätte sich also kaum gelohnt.

Kind zwei: War elf Monate alt als ich mich gegen den Job und für ein Studium entschieden habe. Der Sohn wurde gemeinsam mit seinem 3-jährigen Bruder im Kindergarten eingewöhnt – ich hatte einen 12-Stunden Platz für beide.

Kind drei: Wurde 9 Monate von mir und 5 von seinem Papa zu Hause betreut. Dann kam er in den Kindergarten und da wir dort unglücklich mit den Umständen waren, wechselte er nach knapp 10 Monaten in den Waldkindergarten. (eine gute Entscheidung).

Ich weiss also wovon ich rede – ich kenne alles. Lange zu Hause bleiben, schnell wieder arbeiten und das Kind fremdbetreuen lassen. Schnell arbeiten und das Kind beim Papa lassen. Und ich kann dank meiner Teenager auch sehen, dass es bei beiden keinen Unterschied macht wie lange sie mit mir zu Hause waren. Denn es geht ja auch darum wie man die verbleibende Zeit miteinander verbringt und nicht ausschliesslich darum wieviel Zeit das ist.

Wie wir es diesmal geplant haben

Nun sitze ich also wieder hier – mit Kind Nummer vier. Sie kam recht überraschend. Ich hatte im Job gerade eine neue Position übernommen, hatte Spass, Bestätigung. Ich fühlte mich wohl. Ein weiteres Baby – und dann auch noch Nummer vier, machte meinen Plänen also einen Strich durch die Rechnung.

Ich habe mich bewusst entschieden mit unserm Baby zu Hause zu bleiben bis sie alt genug für den Waldkindergarten bei uns um die Ecke ist und dort aufgenommen wird. Da ist sie knapp 2 Jahre und 4 Monate alt. Ich wollte ihr nicht zumuten sich für wenige Monate an eine Betreuung zu gewöhnen um dann in einen neuen Kindergarten zu wechseln. Ich habe mich entschieden zu Hause zu bleiben und ausschliesslich Mama zu sein.

Wie die Realität aussieht

Seit der Situation neulich, in der ich mir meine Freiheit nehmen wollte rotiert es in meinem Kopf. Ist es das was ich möchte? Förmlich ans Haus gekettet sein? Tagaus tagein die gleiche Routine? Mich füllt es nicht aus, dass das Haus blitzt und blinkt. Und auch wenn ich meinen Blog habe, der mir viel Freude bringt so merke ich doch, dass ich neidisch bin auf meinen Mann der morgens aus dem Haus geht und abends wiederkommt.

Es geht den Kindern gut damit dass ich zu Hause bin und den Kopf frei habe, statt ich zerreissen zu müssen zwischen Job und Kindern. Keine Frage, sie geniessen es, dass ich da bin. Und ich bin gerne Mama. Ich singe und gehe raus, wir sind auf dem Spielplatz, ich backe mit den Kindern und ich spiele auch Lego wenn es sein muss. Ich mag es wenn sie aus der Schule nach Hause kommen und mir Dinge erzählen. Es ist toll, dass mein Kleinkind nach dem Mittagsschlaf nach Hause kommt und wir soviel Zeit miteinander haben.

Aber ich glaube auch, kein Arbeitnehmer der Welt würde sich von seinem Chef soviel anmotzen und rumscheuchen lassen wie wir Mamas das mit unseren Kindern erleben.

Und für mich habe ich festgestellt, mir fehlt mein Job. Richtig richtig dolle. Ich wär so gerne mal wieder mehr als nur Mama. Und dafür reicht es mir nicht aus mich abends mal mit Freundinnen zu treffen. Ich arbeite einfach unglaublich gerne. Ich mag Kollegen um mich rum, Dinge anfangen und beenden und Projekte voranbringen. Das macht mich glücklich. Nicht ausschliesslich – aber in dem Zusammenspiel mit dem Glück Mama zu sein ist es für mich perfekt.

Wie geht es weiter?

KEINE AHNUNG! Ich bin hin-und hergerissen. Soll ich meine eigenen Bedürfnisse noch weiter hinten anstellen, damit mein kleines Babymädchen nicht zweimal in einer Kinderbetreuung eingewöhnt wird? Oder sollten wir uns vielleicht eine Kinderfrau holen die meine Stelle hier einnimmt? Ich bin hin.- und hergerissen zwischen dem Wunsch endlich wieder was handfestes zu machen und meine Kinder (vor allem natürlich die kleinsten) so lange wie möglich intensiv begleiten zu können. Ich werde wohl noch einige Wochen schwanken, aber irgendwann sollte ich mich wohl entscheiden. Für mich, mein Seelenheil und auch für meine Kinder.

Entscheide ich mich für den Job, so werde ich die altbekannte Zerrissenheit wieder erleben Aber ich weiss auch, dass ich entspannt bin, wenn ich weiss, dass meine Kinder in guten Händen sind. Und um mehr Zeit mit den Kindern zu haben, gebe ich gerne meinen Haushalt und den Garten in professionelle Hände und bestelle unseren Wochendeinkauf online, damit ich voll bei meinen Kindern sein kann, wenn ich frei habe.

3 Comments

  1. Pingback: Blogparade zusammengefasst: Mamas über den Wiedereinstieg | Life ain't over

  2. Mann, das ist eine echt schwierige Entscheidung! Da denkt man, nur beim ersten Kind blickt man ins Ungewisse, und dass etwas Erfahrung einen unendlich weise macht. Aber deine super beschriebene Situation zeigt, dass es keinen einfachen, richtigen oder deutlich falschen Weg gibt. Ich finde es schön, dass du an deinen Kindern sehen kannst, dass es darauf auch gar nicht so ankommt. Ich wünsche dir alles Gute mit Nummer 4 und dass dir dein Mama-Glück sowie berufliche Erfüllung allzeit sicher sind!

    • Was für liebe Worte. Dankeschön. Und nein – es macht mich nicht weiser, viele Kinder zu haben, denn jedes Kind ist anders und erfordert eine individuelle Betrachtung. Da kann kein Ratgeber und keine Richtlinie helfen.

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