Kochen und backen mit Kindern

Am allerliebsten koche und backe ich, wenn ich ganz alleine bin und in Ruhe die Rezepte lesen kann. Dann kann ich Eier solange schlagen, bis sie schön fluffig sind und Hefeteige kneten bis sie sich perfekt anfühlen. Seit wir vier Kinder haben, hiesse das allerdings, dass ich nicht vor 21 Uhr mit dem Backen und Kochen beginnen könnte. Insofern habe ich mich in den vergangenen Jahren damit arrangiert, die Küche nicht für mich alleine zu haben sondern immer mitten Gewusel zu stehen.

Damit das gelingt ohne dass man am Ende entnervt die Kinder anbrüllt oder der Kuchen anbrennt, habe ich mir einige Tricks angewöhnt, die mir das (mehr oder weniger) entspannte Arbeiten in der Küche erlauben.

Koche und backe nur wenn du entspannt bist

Kochen mit Kindern dauert doppelt so lange. Unzählige Male hat mein kleiner Mann schon Dinge in meinen Teig geworfen, Eier die ich fein säuberlich getrennt habe wieder in eine Schüssel gekippt, mit den ganzen Händen im Teig gestanden, Zutaten in den Topf geworfen, die da nicht reingehen und hinter meinem Rücken schnell mal Salz in den Topf geschüttet. Aber ich habe festgestellt, dass es von meiner Tagesform abhängt ob mich das an den Rande des Wahnsinns bringt oder kalt lässt. Und so habe ich für mich entschieden, nur noch mit Kindern in der Küche zu kochen wenn ich

  • …entspannt genug bin um Mehl auf dem Boden, auf den Kindern, auf den Hockern und Teigreste an den Schubladen mit einem Lächeln zu quittieren, weil ich weiss, dass wir dafür etwas gemeinsam gemacht haben, das uns Spass gemacht hat.
  • ich Zeit habe und nicht in 30 Minuten einen Kuchen im Ofen oder ein Essen auf dem Tisch haben muss, weil das nächste ToDo wartet. Denn nur dann kann ich mir für jeden Schritt genug Zeit nehmen um meine Kinder zu integrieren (oder davon abzuhalten, das Salzfass in den Kuchenteig zu kippen)

Akzeptiere das Chaos

Kochen mit Kindern heisst Chaos, denn die Kinder räumen, kippen und schütten auch mal daneben, sie räumen und wuseln und breiten sich in der kompletten Küche aus. Kochen Ist bei mir oft mit Hindernislauf verbunden und das anschliessende Chaos muss ja leider auch wieder aufgeräumt werden. Aber ich merke, wie wohl sich meine Kinder bei mir in der Küche fühlen und wie intensiv wir dabei das gemeinsame Kochen erleben. Was macht da schon das bisschen Chaos aus?

Küchenchaos

Gib den Kindern Raum

bei uns zum Beispiel gibt es ein Plastikfach in Kinderhöhe, dass ich mit einem Brett daran hindere dass es zugeht wenn die Kinder daran spielen. Dort kann nichts kaputt gehen, es darf nach Herzenslust geräumt und sortiert, geöffnet und geschlossen und auch gekocht werden. Das gleiche Fach gibt es noch einmal mit meinen Backutensilien – auch dort sind nur die kinderfreundlichen Dinge drin. Die Kinder lernen recht schnell, dass sie an diese beiden Fächer dürfen und nutzen das auch intensiv. Nicht selten entwickeln sie dabei eigene Spiele, kochen beispielsweise auch oder kippen.

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Lenke die Kinder ab wenn sie noch sehr klein sind.

In den ersten 6-8 Monaten habe ich meine Kinder oft im Tuch beim Kochen dabei gehabt und das ging meist auch problemlos, aber je grösser und mobiler sie wurden, desto öfter haben sie versucht mit ihren Fingerchen zuzupacken und sich hin- und herzuwinden. Ab da habe ich sie oft auf den Boden gesetzt und mit Quirl und Schüssel oder ähnlichem ausgestattet, solange ich mit den gefährlichen Tätigkeiten zugange war – das hat mir eine kurze Zeitspanne gegeben in der ich beide Arme nutzen konnte. Manchmal lassen sie sich auch einfach in den Stuhl setzen und schauen zu, oder spielen dort etwas. Aber zugegeben – 5-Gänge Menüs bekommt man mit Babies unter 1 nicht gezaubert – oder nur mit einem starken Nervenkostüm.

Binde die Kinder ein – wenn sie wollen

Mein Sohn durfte schon mit rund einem Jahr auf seinem Hocker stehen und in der Küche zuschauen und mitanpacken. Das war teilweise nervenaufreibend, denn er hatte oft Kragenarme und hat an 10 Stellen gleichzeitig Unsinn gemacht. Lustig war das nicht. Aber wir haben nicht aufgegeben und ihn weiter teilhaben lassen und nach rund 2-3 Monaten zeigten sich erste Erfolge. Er konnte sich länger konzentrieren, konnte mit dem Kochlöffel umgehen und erstes Sachen im Topf rühren. Oft haben wir ihm  einen richtigen Topf auf den echten Herd (die kalte Herdplatte) gestellt und Rosinen, Nudeln oder Gurken reingetan, die er rühren konnte.

Heute mit 2,5 ist er gerne dabei. Er kann Zutaten in den Kuchen kippen, im Topf rühren ohne sich zu verbrennen, weiches Gemüse schneiden, Pancakes wenden, Eier aufschlagen und die Nudelmaschine bedienen – nicht wie ein Erwachsener – aber mit dem Spass eines Kindes und zunehmendem Geschick. Und er liebt es und ist ein gern gesehener Besucher in der Küche.

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Bestechen ist erlaubt

Ich gebe es zu – manchmal möchte ich einfach fertig werden. Dann gibt es kleine Schüsseln mit Rosinen, Gurken, Salzstangen oder Zwieback die ich den Kindern hinstelle während ich koche. Die Kleinsten giessen und schütten dann und naschen dabei oftmals ausgiebig und konzentriert und ich kann kochen ohne auf kleine Kinderkrakenarme schauen zu müssen.

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Wenn du abends keine Lust auf Brot hast, aber Die Zeit zum kochen eng ist, dann bereite Dich vor,

Es gibt genügend Rezepte, die man sehr gut vorbereiten kann. Gestern beispielsweise gab es bei uns ein Gemüsecurry. Das Gemüse habe ich am frühen vormittag geschnippelt, die Gemüsebrühe abgemessen und die Kokosmilchdose schon geöffnet und die die Gewürze zuammengemischt. Bis zum frühen nachmittag bin ich nämlich mit dem Baby alleine und das Babymädchen ist meist so ausgeschlafen, dass sie entspannt mit den Sachen im Plastikfach spielt. Wenn es dann abends hektisch wird, weil alle Kinder da sind, die kleinen müde und nörgelig werden, muss ich nur noch alles aus dem Kühlschrank holen und in den Topf werfen.

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Und ich gebe es gerne zu – kochen mit Kindern verlangt einem viel ab und läuft nicht wie in einem tollen Werbefilm. Aber wenn man sich organisiert und mit Geduld darauf einlässt, dass nicht alles nach Plan läuft, gibt man seinen Kindern etwas ganz Wunderbares mit – nämlich dass nicht nur das Essen Spass macht sondern schon das Kochen ein tolles Erlebnis ist.

(Sagt die Frau die bei der Hausplanung als erstes die Küche entworfen hat um dann die anderen Zimmer drum herum zu planen)

Frohes Kochen!

2 Comments

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