7 Dinge die wie für die Geschwisterliebe tun

Ich habe bei  Juli von Familienzuschlag.de einen tollen Artikel mit dem Titel „Geschwister“ gelesen, der mich sehr berührt hat. Denn bei uns schreiten vier „kleine“ Menschen mit uns durch unser Leben. Aber nicht nur mit uns, sondern auch miteinander -als Geschwister. Oft schau ich mir unsere Kinder an und kann förmlich spüren, wie sie sich in kleinen Schritten immer wichtiger werden und wie ihre Geschwisterliebe jeden Tag ein wenig wächst.

Nicht selten erlebe ich Familien in denen die Kinder sich scheinbar hassen. Es gibt viel Streit , nicht selten werden die Kinder handgreiflich oder mobben sich. Dieser Kelch ist an uns vorbeigegangen und das ist nicht ausschliesslich uns zuzuschreiben. Ob Kinder sich mögen oder nicht liegt an vielen Faktoren.

Dennoch glaube ich, dass es Dinge gibt, die wir Eltern aktiv tun können, um den Kindern dabei zu helfen, sich gegenseitig zu mögen oder zumindest zu akzeptieren. Sieben Dinge die wir bei uns im Alltag umsetzen, möchte ich in diesem Post gerne mit euch teilen.

1. Liebe kann und darf wachsen

Wir geben den Kindern Zeit ihre Gefühle füreinander zu entwickeln. Sie haben sich ihre Geschwister nicht ausgesucht und Liebe kann man nicht erzwingen.

  • Sohn eins kam am Tag nach der Geburt seines kleinen Bruders ins Krankenhaus, sah seinen kleinen Bruder, rannte auf ihn zu uns gab ihm einen Kuss. Das war der Beginn einer wunderbaren Beziehung, die bis heute hält. Auch wenn es nicht mehr so intensiv ist wie im Kleinkindalter, weil beide eigene Freundeskreise haben, so sind sie sich immer noch recht nah.
  • Sohn drei hat auf die Geburt vom Babymädchen mit monatelanger akuter Eifersucht reagiert. Nachts schreiend aufwachen, Wutanfälle, nicht mehr in den Kindergarten wollen – wir haben so einiges durch. Aber heute nach etwas mehr als 14 Monaten sehen wir, wie die beiden sich zunehmend lieb gewinnen. Sie beginnen miteinander zu spielen, sie teilen Essen, manchmal fangen sie an gemeinsam zu albern. Es ist so herzig.

Wir können das nicht beschleunigen dass sie anfangen sich miteinander zu beschäftigen, aber wir können darauf vertrauen, dass die Kinder einander lieb haben werden. Irgendwann. Beim einen geht es schneller, beim anderen dauert es länger. Wir als Eltern können das begleiten, aber nicht erzwingen.

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2. Das Gute sehen und fördern

Wir loben die Grossen, wenn sie etwas besonderes mit den kleineren machen. Und andersrum. Damit bestärken wir das positive genau so wie es auch in vielen anderen Erziehungssituationen hilfreich ist. Den Kindern signalisieren wir damit „Ich mag Deinen Umgang mit Deinen Geschwistern gerade sehr und ich bin glücklich das zu sehen.“

Ein paar Beispiele aus unserem Alltag:

  1. Sohn drei (2,5) bringt unaufgefordert ein Kuscheltier für seine Schwester (1), weil sie weint.
  2. Sohn eins (14) schnappt sich Sohn zwei (12) nach einem Streit mit Mama und quatscht mit ihm von „Mann zu Mann“ aus seinem Erfahrungsschatz. Der Streit kann dadurch viel schneller beigelegt werden.
  3. Sohn eins badet im Pool seiner Grosseltern und hat sichtlich Spass. Als sein kleiner Bruder zu ihm möchte, verdreht er die Augen, überlegt es sich dann anders und macht die Arme auf, damit der kleine reinspringen kann.IMG_0755
  4. Das Babymädchen teilt seinen Keks mit dem grossen Bruder.

Es sind nur kleine Dinge, die unsere Kinder füreinander tun ohne dass wir es ihnen abverlangen. Aber unsere Worte bestärken sie Kindern darin, einen guten Umgang miteinander zu lernen und zu pflegen.

3. Das nicht so Gute nicht ignorieren.

Gerade kleine Kinder sind oft überfordert und in ihrer Eifersucht machen sie manch unbedachtes. Anstatt sie anzuschimpfen, versuchen wir uns die Zeit zu nehmen und mit dem Kind zu sprechen. Wir versuchen das Verhalten zu verstehen und gemeinsam nach alternativen Lösungen zu suchen. Ich kann das Verhalten nicht ignorieren, ich möchte es verstehen. Wenn ich verstehe, warum die Kinder in manchen Situation mit Wut reagieren, verstehe ich auch, wie ich den anderen Kindern helfen kann die Grenzen der anderen zu sehen und zu verstehen.

4. Freiräume erweitern

Je grösser das Kind, umso mehr „Freiheiten“ darf es geniessen. Gerade bei geringen Altersabständen schert man seine Kinder schnell über einen Kamm. Umso wichtiger ist es uns, kleine Zeichen zu setzen, um zu zeigen, das das grosse Kind nicht mit den kleineren gleichgesetzt wird.

  • Einen Film schauen, den der kleinere Bruder noch nicht schauen darf, weil er erst ab 12 ist.
  • Eine halbe Stunde länger wach bleiben als die anderen.
  • Mehr Taschengeld bekommen.
  • Schon mit einem Messer in der Küche hantieren.
  • Mit der Mama mal alleine shoppen gehen und Klamotten für den Start in die weiterführende Schule
  • Fünf Gummibärchen essen statt eins, weil man schon zwei ist und nicht eins.

Das mögen für uns Belanglosigkeiten sein, aber wann immer ich diese „Tradition“ mit meinen Kindern pflege, habe ich das Gefühl ihnen dabei zusehen zu können, wie sie ein kleines Stück wachsen. Das hilft im Gegenzug auch dabei den Grossen mal zu erklären, warum das kleinere Kind jetzt getragen oder gekuschelt wird, einen Schnuller bekommt oder eine Nuckelflasche.

5. Gemeinsame Aktivitäten fördern.

Ich kann nicht gut Lego spielen oder toben. Aber ich kann den Kindern einen Weg zeigen, wie sie gemeinsam spielen können. Als „Aussenstehende“ kann ich am schnellsten erkennen, wo gemeinsame Interessen liegen. Bei unseren grossen ist das schon seit vielen Jahren eine Leidenschaft für Lego, Bogenschiessen und Radfahren. Bei den Kleinen ist es aktuell alles, was mit Murmeln und Schaukeln zu tun hat. Diese Aktivitäten versuche ich dann aktiv zu fördern und begleite die Kinder dabei im Spiel, ohne einzugreifen. Ich stelle Ihnen entsprechendes Material zur Verfügung, setze mich zu Ihnen, bin ansprechbar. Oft entwickelt sich daraus ein tolles gemeinsames Spiel und die Kinder lernen sich aufeinander einzulassen, gemeinsam etwas zu entwickeln und es fördert die Bindung auf eine spielerische Art und Weise.

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6. Streit aushalten und nur eingreifen, wenn es scheinbar nicht weitergeht.

Wir sagen unseren Kindern immer „nirgendwo kann man so gut streiten, wie in der Familie, denn im Grunde unserer Herzen haben wir uns alle lieb und können verzeihen.“ Aber streiten muss auch gelernt sein. Kinder sind überall mit Streit konfrontiert, aber Kinder können einen Streit, der nicht handgreiflich oder grob verbal geführt wird, auch schon gut alleine lösen.  Natürlich kann man sich nicht raushalten, wenn ein 2-jähriger, dem Baby gegenüber grob wird und auch generell bei Handgreiflichkeiten ist bei mir die Grenze erreicht bei der ich eingreife. Wenn ich also schreibe, dass wir Streit aushalten, dann rede ich von Kindern, die auch schon eine gewisse Streitlösungskompetenz haben.

Indem wir uns raushalten, ergreifen wir auch keine Partei. Die Kinder können ihren Streit nicht über uns lösen, sondern erlernen im Laufe der Jahre eine eigene Streitkultur. Dies dauert und wir müssen es immer wieder begleiten, den Kindern helfen wieder aufeinander zuzugehen, nochmal über eine gemeinsame Lösung nachzudenken. Aber ich sehe es an meinen Teenagern – sie können streiten und sich vertragen und dafür brauchen sie mich nicht mehr. Sie lösen ihren Streit nicht laut, nie aggressiv, aber meist sehr schnell.

7. Wir leben einen respektvollen Umgang.

Das mag sich komisch anhören, aber ich verstehe unsere Familie auch ein Stück weit als eine Gemeinschaft. Ein respektvoller Umgang gehört dabei für mich dazu. So sagen unsere Kinder nicht nur uns guten Morgen und Auf Wiedersehen sondern auch den anderen Kindern. Es ist eine Kleinigkeit, aber es macht einen Unterschied in der Wahrnehmung untereinander.

Ebenfalls zum respektvollen Umgang gehört für mich, dass sich niemand das letzte Stück wasauchimmer nimmt, ohne zumindest gefragt zu haben, ob jemand anderes noch etwas haben möchte.

Es gibt noch viele andere kleine Dinge, die für mich einen respektvollen Umgang ausmachen, aber es sind so viele Kleinigkeiten, ich kann sie kaum aufzählen. In der Quintessenz versuchen wir den Kindern zu vermitteln, das wir alle aufeinander aufpassen, uns zuhören, füreinander da sind.

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Also alles Friedefreudeeierkuchen?

NEIN! Wir sind genauso eine Familie wie jede andere. Wir streiten und vertragen uns. Mal laut, mal mit unangebrachter Sprache und liebend gerne auch mal mit Türen knallen. Aber wir entwickeln eine familientypische Streitkultur, mit der wir alle ganz gut klar kommen.

Unsere Kinder sind auch mal unfair untereinander, auf den eigenen Vorteil bedacht oder laut. vor allem die ganz kleinen sind auch mal grob zueinander. Aber wie ich schon oben schrieb. Gut Ding will Weile haben und wenn wir unseren Kindern vertrauen, so können wunderbare Geschwisterbeziehungen entstehen. Die grossen haben dieses Los bereits gezogen und die kleinsten sind auf einem guten Weg dahin. Ich kann es spüren.

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